Spielplätze und Spielgeräte beschaffen

Leistungsbeschreibung, DIN EN 1176 und Wertungskriterien – der Praxisleitfaden für Vergabestellen

Betroffene Themenfelder
Leistungsbeschreibungen durchgeführter Vergaben

Landkreis Eichsfeld, Heilbad Heiligenstadt - Neubau Spielplatz (2026)

Leistungsverzeichnis

Stadt Duisburg - Spielgeräte (2021)

Leistungsverzeichnis

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Inhalt

Einleitung

  1. Auftragsgegenstand
  2. Mögliche Elemente einer Leistungsbeschreibung

    2.1 Kerninhalte der Leistungsbeschreibung

    2.2 Zusätzliche Funktionen
  3. Wertungskriterien

    3.1 Fachliche Wertungskriterien

    3.2 Nichtfachliche Wertungskriterien
  4. Größte Unterschiede bei den durchgeführten Vergaben
  5. Fazit und Best Practices

 

Einleitung

Ein Spielplatz ist vergaberechtlich selten ein einziger, klar abgegrenzter Gegenstand. Beschafft werden Spielgeräte, ein dazu passender Fallschutz, Ausstattung und Beschilderung sowie die Erd-, Gründungs- und Montagearbeiten, die beides verbinden; häufig kommen Rückbau, Übergabedokumentation und ein Wartungsbaustein hinzu. Dieser Beitrag zeigt Ihnen, wie Sie diesen Leistungsmix so beschreiben, dass Bieter vergleichbare Angebote abgeben und die Anlage nach der Abnahme ohne Nachbesserung freigegeben werden kann.

Die Bedarfssituationen unterscheiden sich stärker, als der gemeinsame Oberbegriff vermuten lässt: Neuanlage in einem Baugebiet, Ersatzbeschaffung nach einer Jahreshauptinspektion mit Mängeln, Erweiterung um inklusive Spielangebote, Ausstattung von Kita-Außengeländen und Schulhöfen oder gebündelte Beschaffung für mehrere Standorte. Welche Situation vorliegt, entscheidet über Losschnitt, Bauzeitfenster und Prüfaufwand – und damit über die Struktur der Leistungsbeschreibung.

Sicherheitstechnisch prägen zwei Regelwerke den Auftragsgegenstand. Die Normenreihe DIN EN 1176 „Spielplatzgeräte und Spielplatzböden" enthält die sicherheitstechnischen Anforderungen und Prüfverfahren für Geräte und Gerätekombinationen; DIN EN 1177 legt das Prüfverfahren fest, mit dem die Stoßdämpfung eines Bodenaufbaus über die beim Aufprall gemessene Beschleunigung bestimmt wird, während die Anforderungen an die Bodenmaterialien in Teil 1 der DIN EN 1176 stehen – so die Themenseite Spielgeräte von DIN Media. Ergänzend gelten DIN 18034-1 für Planung, Bau und Betrieb der Fläche, DIN 33942 für barrierefreie Geräte und DIN 18040-3 für den öffentlichen Freiraum. Hinzu kommt das GS-Zeichen nach § 21 ProdSG, für das die Spezifikation AfPS GS 2019:01 PAK die Prüfung auf polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe regelt. Nach der Abnahme bleibt die Verkehrssicherungspflicht nach § 823 Abs. 1 BGB beim Träger der Anlage.

Im laufenden Haushaltsjahr sind drei Änderungen relevant. Zum 1. Juli 2026 ist das Vergabebeschleunigungsgesetz in Kraft getreten; es fasst den Losgrundsatz im neuen § 97a GWB neu und stärkt die Eigenerklärung, wie Vergabe Brandenburg zusammenfasst. Für Aufträge des Bundes gilt nach § 55 Abs. 2 BHO nun eine Wertgrenze von 50.000 Euro netto für Direktaufträge – ausdrücklich nicht bundeseinheitlich, denn Länder und Kommunen setzen ihre Wertgrenzen eigenständig fest. Ein Entwurf zur Neufassung der UVgO sieht denselben Wert für die Unterschwelle vor, ist aber noch nicht in Kraft, wie die Analyse der UVgO-Reform im cosinex Blog darstellt. Prüfen Sie daher Ihre eigene Wertgrenze.

Seit dem 1. Januar 2026 und bis zum 31. Dezember 2027 gelten außerdem neue EU-Schwellenwerte. Zudem greifen die Kernpflichten der EU-Entwaldungsverordnung für große Marktteilnehmer ab dem 30. Dezember 2026 und für Kleinst- und Kleinunternehmen ab dem 30. Juni 2027, wie Access2Markets der Europäischen Kommission mitteilt – für Geräte mit tragenden Holzbauteilen ein Thema der Lieferfähigkeit.

Eine Mischausschreibung ist hier der Regelfall, nicht die Ausnahme. Nach § 110 Abs. 1 GWB richtet sich das anzuwendende Regelwerk nach dem Hauptgegenstand, also nach den prägenden Leistungen und nicht nach bloßen Nebenpflichten; die Wertanteile sind ein Anhaltspunkt, kein Automatismus. Für die Leistungsbeschreibung folgt daraus dreierlei: einheitliche Vertragsbedingungen statt gemischter Bau- und Lieferklauseln, eine ausdrückliche Beschreibung der Schnittstelle zwischen Gründung und Gerätemontage sowie Regelungen zu Baustelleneinrichtung, Verkehrssicherung und Zwischenlagerung, die in reinen Lieferverträgen typischerweise fehlen.

Durchgesetzt haben sich in den vergangenen Jahren vor allem vier Entwicklungen: inklusive Spielräume statt einzelner Sonderelemente, die Lebenszyklusbetrachtung statt reiner Anschaffungspreise, Hitzeschutz und Beschattung sowie die digitale Prüf- und Wartungsdokumentation. Kapitel 4 ordnet sie den passenden Vergabemodellen zu.

Relevante CPV-Codes

37535200-9 – Spielplatzausrüstungen

43325000-7 – Ausrüstung für Parkanlagen und Spielplätze

45112723-9 – Landschaftsgärtnerische Bauleistungen für Spielplätze

45236210-5 – Oberbauarbeiten für Kinderspielplätze

Die Codeauswahl folgt der Einordnung des Auftrags. 37535200-9 und 43325000-7 erreichen Gerätehersteller und Ausstattungslieferanten und sind zu führen, wenn die Lieferung den Auftrag prägt; 43325000-7 deckt zusätzlich Bänke, Abfallbehälter und Einfriedungen ab, die sonst durch die Suchprofile der Bieter fallen. 45112723-9 und 45236210-5 sprechen Garten- und Landschaftsbau sowie Tiefbauunternehmen an und gehören dazu, sobald Erd-, Gründungs- und Fallschutzarbeiten den Schwerpunkt bilden. Führen Sie bei Mischaufträgen den Code des Hauptgegenstands als Hauptcode und die übrigen als Zusatzcodes mit, damit beide Bietergruppen die Bekanntmachung finden; wird die Inspektion als eigenes Los vergeben, ergänzen Sie einen Code aus dem Bereich Reparatur und Wartung.

 

1. Auftragsgegenstand

Dieses Kapitel grenzt ab, welche Leistungen Sie beauftragen, was außerhalb des Auftrags bleibt und welche Vorarbeiten vor der Bekanntmachung erledigt sein müssen. Je präziser die Abgrenzung ausfällt, desto weniger Nachträge entstehen an der Schnittstelle zwischen Gerät, Gründung und Fläche.

Leistungsumfang präzise definieren

Bestandsaufnahme und Ausführungsplanung: Der Auftragnehmer nimmt die Fläche auf und erstellt eine Ausführungs- und Montageplanung einschließlich Gründungs- und Fallschutzaufbau. Legen Sie fest, ob Sie diese Leistung mitbeschaffen oder eine eigene Planung beistellen, denn davon hängt ab, wer

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